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PISTE.DEFotos: gg, Angelo Kelly
ANGELO KELLY IM INTERVIEW
SO WIE
STAR TREK
Sie haben die Popmusik der Neunziger geprägt, sie haben mit ihrer Musik polarisiert: Die Kelly
Family liebte man oder man hasste sie. Später gingen die verschiedenen Mitglieder der Familie ihre
eigenen Wege, sie schlugen verschiedene Richtungen ein. Anfang diesen Jahres veröffentlichten
die Geschwister eine CD, kündigten ein Konzert an. Angelo Kelly, der Jüngste, tourt seit Jahren mit
seiner eigenen Familie und einem eigenen Programm. Ihn haben wir zum Interview getroffen.
KULTUR
| INTERVIEW
Was macht euren Erfolg über die Jahre aus?
Ich denke mal, die Kellys sind fast so etwas wie
Star Trek. Das kennt man über Jahrzehnte und
Generationen wachsen damit auf. Den größten
Anteil hat natürlich die Arbeit als Kelly Family selbst
– über dreißig Jahre lang. Seitdem macht jeder
sein Ding, mal mehr oder weniger erfolgreich.
Ich hatte ja nicht immer viel Erfolg. Es war ein Rauf
und Runter in den letzten zehn Jahren. Für uns ist es
ein Riesen-, Riesenereignis, es jetzt so weit gebracht
zu haben, dass wir in den großen Hallen sind. Das
waren viele Jahre harte Arbeit.
Du hast eine Fangemeinde, die geht von ganz
jung bis ganz alt – kannst du dir das erklären?
Das ist natürlich erst einmal ein riesengroßes Kom-
pliment. Das heißt ja, dass man verschiedene
Arten von Menschen und Altersgruppen mit dem
berührt, was man macht. Besser geht nicht, super.
Und das hat auch schon lange nichts mehr mit
einer Idealisierung oder einer Verliebtheit zu tun:
Ich bin immer sehr offen damit gewesen, dass ich
mit Kira verheiratet bin und Kinder habe.
Dass ich trotzdem ein Publikum habe, das gewach-
sen ist, ist für mich wunderschön: Es geht wirklich
um die Musik und darum, was wir vertreten.
Wir haben gehört, dass eine spezielle Verbindung
zu Lübeck besteht.
Mit Lübeck verbinde ich viel Positives. Es ist eine
wunderschöne Stadt, die ist einfach ein Traum.
Ich habe auch einen guten Freund in Lübeck
gehabt, den ich sehr oft gesehen habe, wenn wir
an der Ostsee oder hier in der Stadt waren. Als wir
dann erfolgreich wurden, hat man den Kontakt mit
dem einen mehr gepflegt, als mit dem anderen.
Mit diesem Lübecker Freund war es leider nicht
mehr so intensiv.
Meine Frau liebt übrigens Marzipan und gerade
Lübecker Marzipan ist natürlich der Knaller.
Was macht Angelo Kelly in zehn Jahren?
Ich weiß es nicht und das finde ich auch gut so. Ich
feiere in diesem Jahr zehn Jahre Solokarriere nach
der Kelly Family. Und ich weiß noch nicht einmal,
was so richtig in ein, zwei Jahren passieren wird.
Trotz des Erfolgs, den wir derzeit haben, werden
wir als Familie Anfang des Jahres wirklich endgül-
tig entscheiden, wie die nächsten Schritte sind.
Wir werden dann schauen, Stück für Stück: Wie
fühlt sich das an, haben die Kids noch Bock? Ich
mache ja selber auch allein und mit meiner Frau
Musik. Machen wir mit der Band weiter?
Es gibt da die verschiedensten Konzepte, die man
hat. Es ist alles noch ganz offen. Ich fände es auf
der einen Seite schön, wenn wir uns als Familie
weiterentwickeln könnten. Dann könnten tolle Plat-
ten entstehen, mehr eigene Songs, auch von den
Kindern. Ich könnte sehen, wie sie sich entwickeln.
Aber ich will das nicht erzwingen.
Mir stellt sich die Frage, wo man seine Energie
hinsteckt. Zurzeit schiebe ich meine Sachen zur
Seite und konzentriere mich auf die Familie. Aber
das passiert natürlich nur so lange, wie die Familie
auch mitmachen möchte. Insofern: Gucken wir ein-
fach mal.
Was für eine Musik läuft bei den Kellys zu Hause?
Sehr unterschiedlich. Das hängt davon ab, wer
gerade die Macht an der Musikanlage hat. Wenn
es nach meinem Sohn Gabriel geht, dann läuft
Techno und Dance. Das finde ich ganz schlimm
(lacht). Wenn es nach Helen geht, dann hören wir
Soul und wenn ich bestimme, dann ist es Jazz und
Klassik. Die ganzen guten alten Platten laufen
dann: Bruce Springsteen, James Taylor.
Triffst du dich viel mit deinen Geschwistern?
Das ist sehr selten. Es gibt immer wieder Situatio-
nen, wo sich drei, vier Geschwister treffen, aber
dass wir gemeinsam Weihnachten gefeiert haben,
das ist schon lange her. Wir wohnen einfach zu
weit voneinander entfernt, an unterschiedlichen
Orten, jeder von uns hat Familie, wir sind alle ver-
schieden auf Tour.
Kannst Du eigentlich noch „Angel“ singen?
Ich kann es noch singen, aber auf den aktuellen
Touren singe ich es nicht. Es gehört momentan nicht
zum Programm. (lacht) Hin und wieder singe ich es
tatsächlich noch, aber die Stimmlage ist inzwi-
schen eine andere. Es ist etwas tiefer. Damals war
es – sehr hoch.