Previous Page  14 / 68 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 14 / 68 Next Page
Page Background

PORTRAIT

014

PISTE.DE

Fotos: Hansestadt Lübeck, BeA

18 JAHRE AN DER

STADTSPITZE

EIN BESUCH BEI BERND SAXE

AUF SEINEN LETZTEN METERN

ALS BÜRGERMEISTER

Bekennender Brandt-Fan

mit schiefem Bild an der

Bürowand, Liebe zu Natur

und Prosa, gutem Wein

und klassischer Musik

Rein private Gründe haben zu sei-

ner Entscheidung geführt, nicht mehr

anzutreten. Er will „endlich keine

70-Stunden-Woche“ mehr haben

und mehr Zeit. Konkrete Pläne, au-

ßer die Tochter (35) und die bald

zwei Enkel in Den Haag regelmäßig

zu besuchen, gibt es nicht. Es ist

übrigens purer Zufall, dass es den

gelernten Industriekaufmann und

Diplom-Sozialwirt einst nach Lübeck

verschlug: „Nach der Ausbildung

schnappte ich mir mit meiner damali-

gen Lebensgefährtin den guten alten

Diercke-Atlas und wir tippten mit ge-

schlossenen Augen auf die Deutsch-

landkarte – und auf Lübeck!“

So landetet der Westfale im Nor-

den und schrieb seine persönliche

Erfolgsgeschichte. Schon früh war er

politisch interessiert und engagiert.

Aufgewachsen ist er in „einfachen

Verhältnissen“, als jüngstes von drei Kindern. Der

Vater kehrte schwer versehrt aus dem Krieg zurück,

die Mutter bildete den heimischen Dreh- und An-

gelpunkt. Bereits mit Mitte Zwanzig ging er in die

Berufspolitik, wurde Geschäftsführer der SPD in

Lübeck, saß zwei Legislaturperioden im Landtag,

bevor er 2000 erstmalig Bürgermeister wurde.

„Man braucht ein dickes Fell, es ist

ein Spitzenamt, in dem es einige

Fährnisse zu überwinden gilt“, gibt

der Single dem oder der Nachfol-

ger/in mit auf den Weg. Obwohl er

sich beispielsweise über Unfairness

nicht beschwert. „Es war immer ein

korrekter Umgang miteinander“, lobt

der Krimi- und Belletristik-Liebhaber.

Außerordentlich beliebt scheint er

zudem in der Bevölkerung zu sein.

„Mein Bekanntheitsgrad liegt in Lü-

beck bei fast 100 Prozent“, lacht er

und zeigt seine Autogrammkarten.

Vielleicht ein, zwei Mal im Jahr käme

es vor, dass er unfreundlich angespro-

chen werde, aber das sei die Aus-

nahme – und auch Polizeischutz hätte

er nur selten gebraucht. Angetreten

sei er, um „Defizite auszugleichen“.

Und das habe er auch geschafft,

zum Beispiel die Arbeitslosigkeit von

20 auf acht Prozent gesenkt. Gleichwohl gibt er

zu, dass der Flughafen, für den er gekämpft hat,

„besser dastehen“ könne. Auf der anderen Seite sei

es aber gelungen, den „großen kulturellen Reichtum

und die Attraktivität Lübecks und den enorm hohen

Aufenthaltswert durch die schöne Naturumgebung“

weiterhin bekannt(er) zu machen. BeA

Nüchtern und schmucklos, etwas Kunst an den Wän-

den und völlig frei von überflüssigem Tand oder Deko

– das Büro des Bürgermeisters ist ein bisschen so wie

er selbst. Einen „Pragmatiker“ nannte ihn einst die

„taz“ und dem ein oder anderen ist Bernd Saxe viel-

leicht sogar z

u

pragmatisch in seiner fast 20-jährigen

Amtszeit gewesen. Diese endet für den 228. und ersten

direkt gewählten Bürgermeister im April 2018.