

PORTRAIT
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PISTE.DEFotos: Hansestadt Lübeck, BeA
18 JAHRE AN DER
STADTSPITZE
EIN BESUCH BEI BERND SAXE
AUF SEINEN LETZTEN METERN
ALS BÜRGERMEISTER
Bekennender Brandt-Fan
mit schiefem Bild an der
Bürowand, Liebe zu Natur
und Prosa, gutem Wein
und klassischer Musik
Rein private Gründe haben zu sei-
ner Entscheidung geführt, nicht mehr
anzutreten. Er will „endlich keine
70-Stunden-Woche“ mehr haben
und mehr Zeit. Konkrete Pläne, au-
ßer die Tochter (35) und die bald
zwei Enkel in Den Haag regelmäßig
zu besuchen, gibt es nicht. Es ist
übrigens purer Zufall, dass es den
gelernten Industriekaufmann und
Diplom-Sozialwirt einst nach Lübeck
verschlug: „Nach der Ausbildung
schnappte ich mir mit meiner damali-
gen Lebensgefährtin den guten alten
Diercke-Atlas und wir tippten mit ge-
schlossenen Augen auf die Deutsch-
landkarte – und auf Lübeck!“
So landetet der Westfale im Nor-
den und schrieb seine persönliche
Erfolgsgeschichte. Schon früh war er
politisch interessiert und engagiert.
Aufgewachsen ist er in „einfachen
Verhältnissen“, als jüngstes von drei Kindern. Der
Vater kehrte schwer versehrt aus dem Krieg zurück,
die Mutter bildete den heimischen Dreh- und An-
gelpunkt. Bereits mit Mitte Zwanzig ging er in die
Berufspolitik, wurde Geschäftsführer der SPD in
Lübeck, saß zwei Legislaturperioden im Landtag,
bevor er 2000 erstmalig Bürgermeister wurde.
„Man braucht ein dickes Fell, es ist
ein Spitzenamt, in dem es einige
Fährnisse zu überwinden gilt“, gibt
der Single dem oder der Nachfol-
ger/in mit auf den Weg. Obwohl er
sich beispielsweise über Unfairness
nicht beschwert. „Es war immer ein
korrekter Umgang miteinander“, lobt
der Krimi- und Belletristik-Liebhaber.
Außerordentlich beliebt scheint er
zudem in der Bevölkerung zu sein.
„Mein Bekanntheitsgrad liegt in Lü-
beck bei fast 100 Prozent“, lacht er
und zeigt seine Autogrammkarten.
Vielleicht ein, zwei Mal im Jahr käme
es vor, dass er unfreundlich angespro-
chen werde, aber das sei die Aus-
nahme – und auch Polizeischutz hätte
er nur selten gebraucht. Angetreten
sei er, um „Defizite auszugleichen“.
Und das habe er auch geschafft,
zum Beispiel die Arbeitslosigkeit von
20 auf acht Prozent gesenkt. Gleichwohl gibt er
zu, dass der Flughafen, für den er gekämpft hat,
„besser dastehen“ könne. Auf der anderen Seite sei
es aber gelungen, den „großen kulturellen Reichtum
und die Attraktivität Lübecks und den enorm hohen
Aufenthaltswert durch die schöne Naturumgebung“
weiterhin bekannt(er) zu machen. BeA
Nüchtern und schmucklos, etwas Kunst an den Wän-
den und völlig frei von überflüssigem Tand oder Deko
– das Büro des Bürgermeisters ist ein bisschen so wie
er selbst. Einen „Pragmatiker“ nannte ihn einst die
„taz“ und dem ein oder anderen ist Bernd Saxe viel-
leicht sogar z
u
pragmatisch in seiner fast 20-jährigen
Amtszeit gewesen. Diese endet für den 228. und ersten
direkt gewählten Bürgermeister im April 2018.