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PISTE.DEKULTUR
| INTERVIEW
Das Berliner Duo Lexy & K-Paul rockt
seit fast 20 Jahren die Bühnen und
Clubs der Welt. Ihre musikalische Rei-
se und Entwicklung ist untrennbar mit
der deutschen Clubkultur und Elektro-
nikszene verbunden. Als Pioniere des
sogenannten Technolectro entwickeln
und verfeinern Lexy & K-Paul ihren
markanten,
unverwechselbaren
Sound ständig weiter und erschaffen
dabei ein Klangbild, das zugleich
charmant, catchy und Pop orientiert
ist, fest in der elektronischen Musik
verwurzelt bleibt und gerade deshalb
die Tanzfläche nie aus den Augen ver-
liert. Ihre übergreifende musikalische
Vision verbindet den Clubfloor mit
dem Albumkontext. Mit ihrem aktuel-
len Album „peilSCHNARTEN“ definie-
ren Lexy & K-Paul ihren Sound aufs
Neue und servieren eine Zeitgeist ori-
entierte Essenz ihres bisherigen Schaf-
fens. Lexy & K-Paul sind beimAirbeat-
One Festival 2018 mit dabei. Wir
trafen sie zum Interview.
piste:
Am6. April bringt ihr euer neu-
es Album „peilSCHNARTEN“ heraus.
Was hat euch dazu inspiriert?
Lexy & K-Paul:
„Ja, wer hätte das ge-
dacht! Irgendwie kam es wieder da-
zu, dass wir uns ausversehen Anfang
letzten Jahres in unserem LexKpaul
Studio getroffen haben und uns sag-
ten, meine Güte, wir haben hier so
viele Maschinen und laut können wir
hier doch auch machen, lass uns
doch einfach mal wieder ein Album
machen! Ja, so wie früher ... Ja. ein-
fach los und ohne verkopfte Denk-
weisen. Genial... Gesagt, getan.“
piste:
Was hat es mit dem Titel auf
sich? Was sind „peilSCHNARTEN“?
Lexy & K-Paul:
„Im Anfangsprozess
eines Liedes hat meist die erste Skizze
eine Art Arbeitsnamen. Einer dieser
Arbeitsnamen war Peilschnarte. Das
Wort Peilschnarte beinhaltet zwei
Worte, einmal Schnarte und einmal
Peil, von peilen. Peilen ist ein alter Ra-
verbegriff aus den Neunzigern und
beschreibt Jugendliche, die am
Abend nie genug bekommen und
von früh bis spät versuchen, irgend-
was hinzubekommen oder zu be-
kommen. In der Tierwelt vielleicht zu
vergleichen mit Ameisen oder
Schlangen, immer am rotieren, nur
das diese zwischendurch mal schla-
fen. Eine Schnarte ist dagegen ein
Kunstwort, was ich das erste Mal bei
DJ Lupo gehört habe. Er meinte mit
Schnarte einen Loop, der ewig läuft
und irgendwie geil ist - eine sich im-
mer wiederholende Melodie einfach
gesagt. Eben diese Skizze, die wir da
hatten, hieß Peilschnarte, weil es ein
niemals endender guter Loop war
und vorwärts wollte. Außerdem ist es
ein unglaubliches Unwort und darauf
fahren wir ja bekanntlich ab.“
piste:
Auch die anderen Titel des Al-
bums klingen etwas krude. Was be-
deuten diese verrückten Songtitel?
Lexy & K-Paul:
„Das Schöne ist, heut-
zutage versteht sowieso jeder alles
falsch oder nur, wie er es verstehen
will. Daher war uns nicht danach, ei-
nen Sinn oder eine Bedeutung in die-
sem Namen zu sehen. Wir haben
einfach darauf lostituliert und fertig
war das Mondgesicht.
Natürlich haben wir versucht, jedes
Stück irgendwie in einWort zu fassen.
Jedenfalls das, was wir in jenem Lied
gesehen haben. So kommt beim
Pauken Paule auch wirklich eine Pau-
ke im Lied vor oder im Track „Raver
ohne Ende“ singt unser Protagonist
davon, sich zu verstecken, bis das
Wochenende kommt, damit es dann
wieder losgehen darf.“
piste:
Modisch stechen auch die Pres-
sefotos in Feinripp Underwear her-
aus. Komisch elektronisch oder ge-
zieltes Modestatement?
Lexy & K-Paul:
„Back to Basics würde
ich sagen und sich mit Sachen, vor
denen man sich fürchtet, auseinan-
derzusetzen. Also im Osten durften
wir diese Sachen (Feinripp) immer
tragen und es war eine Hass-Bezie-
hung. Wir haben jetzt aber mit diesen
Klamotten unseren Frieden geschlos-
sen. Ich denke als nächstes sind Kult
Klamotten dran.“
piste:
Wie unterscheidet sich
„peilSCHNARTEN“ von euren ande-
ren Alben?
Lexy & K-Paul:
„Definitiv vom Na-
men, ansonsten noch vom Style der
Lieder und vielleicht den neuen Fea-
ture-Artisten.
piste:
Ihr werdt als Pioniere des soge-
nannten Technolectro bezeichnet.
Wie hat sich der Stil in den 20 Jahren
eures Bestehens verändert?
Lexy & K-Paul:
„Wir waren auch
schon Jung - und Thälmann Pioniere
in der DDR. Ja, wie hat es sich verän-
dert, wie sich eben immer alles ver-
ändert! Die Instrumente sind diesel-
ben, nur eben anders, die Musik ist
anders, aber dieselbe.
Ehrlich gesagt, kann ich keine Stile
mehr beschreiben, ich denke, es ist
einfach unser Style, der mit uns ge-
wachsen ist. Hier und da hat er Ecken
und Kanten bekommen, verfeinert
oder wieder entschönt wurde.“
piste:
Ihr spielt sowohl auf den gro-
ßen Festivalbühnen als auch in
Clubs. Wo fühlt ihr euch mehr zu
Hause?
Lexy & K-Paul:
„Natürlich überall! Je-
des Konzept hat seinen eigenen Reiz.
Beim Festival ist es immer wieder
wahnsinnig spannend, solche Mas-
sen in Bewegung zu sehen, die Lust
auf deine Performance haben. Im
Club natürlich genauso, wenn das
Wasser von der Decke tropft und du
hautnah im Publikum bist, ist das
schon immer wieder eine Freude!“
IM INTERVIEW
LEXY & K-PAUL