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036

PISTE.DE

KULTUR

| INTERVIEW

Das Berliner Duo Lexy & K-Paul rockt

seit fast 20 Jahren die Bühnen und

Clubs der Welt. Ihre musikalische Rei-

se und Entwicklung ist untrennbar mit

der deutschen Clubkultur und Elektro-

nikszene verbunden. Als Pioniere des

sogenannten Technolectro entwickeln

und verfeinern Lexy & K-Paul ihren

markanten,

unverwechselbaren

Sound ständig weiter und erschaffen

dabei ein Klangbild, das zugleich

charmant, catchy und Pop orientiert

ist, fest in der elektronischen Musik

verwurzelt bleibt und gerade deshalb

die Tanzfläche nie aus den Augen ver-

liert. Ihre übergreifende musikalische

Vision verbindet den Clubfloor mit

dem Albumkontext. Mit ihrem aktuel-

len Album „peilSCHNARTEN“ definie-

ren Lexy & K-Paul ihren Sound aufs

Neue und servieren eine Zeitgeist ori-

entierte Essenz ihres bisherigen Schaf-

fens. Lexy & K-Paul sind beimAirbeat-

One Festival 2018 mit dabei. Wir

trafen sie zum Interview.

piste:

Am6. April bringt ihr euer neu-

es Album „peilSCHNARTEN“ heraus.

Was hat euch dazu inspiriert?

Lexy & K-Paul:

„Ja, wer hätte das ge-

dacht! Irgendwie kam es wieder da-

zu, dass wir uns ausversehen Anfang

letzten Jahres in unserem LexKpaul

Studio getroffen haben und uns sag-

ten, meine Güte, wir haben hier so

viele Maschinen und laut können wir

hier doch auch machen, lass uns

doch einfach mal wieder ein Album

machen! Ja, so wie früher ... Ja. ein-

fach los und ohne verkopfte Denk-

weisen. Genial... Gesagt, getan.“

piste:

Was hat es mit dem Titel auf

sich? Was sind „peilSCHNARTEN“?

Lexy & K-Paul:

„Im Anfangsprozess

eines Liedes hat meist die erste Skizze

eine Art Arbeitsnamen. Einer dieser

Arbeitsnamen war Peilschnarte. Das

Wort Peilschnarte beinhaltet zwei

Worte, einmal Schnarte und einmal

Peil, von peilen. Peilen ist ein alter Ra-

verbegriff aus den Neunzigern und

beschreibt Jugendliche, die am

Abend nie genug bekommen und

von früh bis spät versuchen, irgend-

was hinzubekommen oder zu be-

kommen. In der Tierwelt vielleicht zu

vergleichen mit Ameisen oder

Schlangen, immer am rotieren, nur

das diese zwischendurch mal schla-

fen. Eine Schnarte ist dagegen ein

Kunstwort, was ich das erste Mal bei

DJ Lupo gehört habe. Er meinte mit

Schnarte einen Loop, der ewig läuft

und irgendwie geil ist - eine sich im-

mer wiederholende Melodie einfach

gesagt. Eben diese Skizze, die wir da

hatten, hieß Peilschnarte, weil es ein

niemals endender guter Loop war

und vorwärts wollte. Außerdem ist es

ein unglaubliches Unwort und darauf

fahren wir ja bekanntlich ab.“

piste:

Auch die anderen Titel des Al-

bums klingen etwas krude. Was be-

deuten diese verrückten Songtitel?

Lexy & K-Paul:

„Das Schöne ist, heut-

zutage versteht sowieso jeder alles

falsch oder nur, wie er es verstehen

will. Daher war uns nicht danach, ei-

nen Sinn oder eine Bedeutung in die-

sem Namen zu sehen. Wir haben

einfach darauf lostituliert und fertig

war das Mondgesicht.

Natürlich haben wir versucht, jedes

Stück irgendwie in einWort zu fassen.

Jedenfalls das, was wir in jenem Lied

gesehen haben. So kommt beim

Pauken Paule auch wirklich eine Pau-

ke im Lied vor oder im Track „Raver

ohne Ende“ singt unser Protagonist

davon, sich zu verstecken, bis das

Wochenende kommt, damit es dann

wieder losgehen darf.“

piste:

Modisch stechen auch die Pres-

sefotos in Feinripp Underwear her-

aus. Komisch elektronisch oder ge-

zieltes Modestatement?

Lexy & K-Paul:

„Back to Basics würde

ich sagen und sich mit Sachen, vor

denen man sich fürchtet, auseinan-

derzusetzen. Also im Osten durften

wir diese Sachen (Feinripp) immer

tragen und es war eine Hass-Bezie-

hung. Wir haben jetzt aber mit diesen

Klamotten unseren Frieden geschlos-

sen. Ich denke als nächstes sind Kult

Klamotten dran.“

piste:

Wie unterscheidet sich

„peilSCHNARTEN“ von euren ande-

ren Alben?

Lexy & K-Paul:

„Definitiv vom Na-

men, ansonsten noch vom Style der

Lieder und vielleicht den neuen Fea-

ture-Artisten.

piste:

Ihr werdt als Pioniere des soge-

nannten Technolectro bezeichnet.

Wie hat sich der Stil in den 20 Jahren

eures Bestehens verändert?

Lexy & K-Paul:

„Wir waren auch

schon Jung - und Thälmann Pioniere

in der DDR. Ja, wie hat es sich verän-

dert, wie sich eben immer alles ver-

ändert! Die Instrumente sind diesel-

ben, nur eben anders, die Musik ist

anders, aber dieselbe.

Ehrlich gesagt, kann ich keine Stile

mehr beschreiben, ich denke, es ist

einfach unser Style, der mit uns ge-

wachsen ist. Hier und da hat er Ecken

und Kanten bekommen, verfeinert

oder wieder entschönt wurde.“

piste:

Ihr spielt sowohl auf den gro-

ßen Festivalbühnen als auch in

Clubs. Wo fühlt ihr euch mehr zu

Hause?

Lexy & K-Paul:

„Natürlich überall! Je-

des Konzept hat seinen eigenen Reiz.

Beim Festival ist es immer wieder

wahnsinnig spannend, solche Mas-

sen in Bewegung zu sehen, die Lust

auf deine Performance haben. Im

Club natürlich genauso, wenn das

Wasser von der Decke tropft und du

hautnah im Publikum bist, ist das

schon immer wieder eine Freude!“

IM INTERVIEW

LEXY & K-PAUL