piste Rostock Dezember 2015 - page 70

INTERVIEW
„Keep pushin” ist für viele eine
House-Hymne und kommt nun limi-
tiert auf Vinyl. Wer durfte diesen
Klassiker neu remixen?
Nun, Leute wie Oliver Dollar, dann
noch die Jungs von Session Victim,
PurpleDiscoMachine aus Dresden,
D
´
Arrio Dattes aus der Schweiz
und mein Buddy Chris Cassara aus
Hamburg, aber es gibt noch weite-
re Remixe und das Original.
Ist Vinyl überhaupt noch relevant in
der digitalen Zeit?
Es gibt immer noch aktuelle Musi-
ker, so wie Session Victim, die sich
mit Vinyl be schäftigen und damit
erfolgreich auflegen. Und das Co-
ver der limitierten Auflage ist
hübsch - handgestanzt sowie stück-
limitiert. Die Firma Paperlux hat
hier wirklich eine exzellente Desi-
gnarbeit geleistet. Musik hat heut-
zutage ja leider keinen Wert mehr,
daher kostet das Exemplar auch
nicht allzu viel trotz hochwertiger
Verarbeitung, aber es wird be-
stimmt ein beliebtes Sammlerstück.
Und man muss sich heutzutage et-
was einfallen lassen, wenn es nicht
wahllos sein soll. Gute Musik und
gute Sachen werden sich jedoch
immer durchsetzen.
Würdest du selbst noch einmal
gern mit Vinyl auflegen?
Ich muss zugeben, dass ich hier re-
lativ leidenschaftslos bin. Natürlich
habe ich meine Schallplatten, aber
ich bin kein Sammler, der bei Dis-
cogs nach Platten
sucht. Die
Lei-
denschaft anderer für Vinyl kommt
sicher daher, dass es 100 Jahre
das Medium war – und plötzlich
war es weg. Im Grunde genom-
men waren wir doch damals froh,
dass wir nicht mehr mit Vinyl aufle-
gen mussten, denn es gab ja stän-
dig Rückkoppelungen, oder man
hat eine Platte so oft gespielt, dass
man sie irgendwann nicht mehr
spielen konnte. Insofern denke ich,
es ist egal, welchen Knopf man
drückt. Wichtig ist, dass man mit
der Musik die Leute kriegt und da
ist egal, woher der Sound kommt.
Wie ist „Keep pushin
überhaupt
entstanden? Was verbindest du
damit?
Damals war ich oft bei Rocco - dem
Schallplattenladen überhaupt in
Hamburg. Und dort entdeckte ich
eine Platte, die von Mousse T. pro-
duziert war. Und mir fiel so auf,
dass es noch andere Menschen in
Deutschland gab, die ähnliche Mu-
sik wie ich machten. Ich habe
dann bei Mousse T. angerufen
und bin in sein damaliges Stu-
dio nach Hannover gefahren
und wir waren gleich musika-
lisch auf einer Wellenlänge.
Anfangs war der Track ohne
Gesang und ein Freund von
mir kannte eine Sängerin
namens Inaya aus einem
Musical Ensemble von Star-
light Express, die wir dann
zu uns einluden. Am Vor-
abend hatten wir noch
nicht mal Lyrics und haben
die noch ganz schnell runter-
geschrieben. Als sie anfing,
zu singen, hat sie uns umge-
hauen. Und mit dem fertigen
Song sind wir 1995 zur Win-
ter Music Conference nach
Miami und haben es
überall verteilt. Als er-
stes lief es bei Tony
Humphries auf
98.7 Kiss FM in New York und
Louie Vega (Masters at Work) hat
es für sein Label MAW Records ge-
signed. Ich verbinde damit meinen
Durchbruch, denke an die US-Tou-
ren sowie obskure Clubs in uerwar-
teten Orten wie Salt Lake City oder
Albuquerque.
Du bist schon so lange DJ – was
treibt dich immer noch an?
Ich kann ja nichts anderes (lacht).
Es gab auch Phasen, wo ich alles
hinterfragt habe, was ich mache
und was mich vielleicht noch so in-
teressiert, wie zum Beispiel Essen
und Reisen. Aber dazu hatte ich
noch keine Idee. Und dann gibt es
so Momente wie neulich in der be-
talounge oder irgendwo in Klein-
Kleckersdorf, wo die Crowd total
auf deine Musik abfährt und das
gibt mir noch heute unheimlich
viel. Meine Motivation war nie,
meinen Namen groß irgendwo auf
Leinwänden zu lesen, sondern den
Leuten etwas zu geben, so dass sie
durchdrehen - das lässt sich nicht
erklären, da ist manchmal einfach
diese bestimme Energie. Und das
hatte ich übrigens 10 Jahre lang im
Front, jeden Samstag – und das
macht wahrscheinlich irgendwo
süchtig.
Dein Lieblingsort in Hamburg?
Ganz klar: mein Zuhause. Ich ha-
be die Welt gesehen, hätte sicher
nach London oder New York ge-
hen können, aber hier ist meine Ba-
sis und meine Familie.
Mehr:
-
risDlugoschOfficial/
Boris Dlugosch (46), DJ & Producer aus Hamburg, ist eine
Ikone in Sachen House-Musik. Mit seinem Hit „Keep Pushin”
meldet er sich zum 20jährigen Jubiläum mit „Keep pushin -
The Mixes 2015” zurück und verriet uns, was ihn nach so
vielen Jahren im Musikgeschäft immer noch antreibt.
IM GESPRÄCH MIT
BORIS DLUGOSCH
070
PISTE.DE
Keep Pushin Mixes 2015
ab 8. Dezember erhältlich
Interview. Piste Hamburg
Foto: Katja Ruge
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